Kulturherbst in Brandenburg Warum es sich lohnt, auch im Berliner Umland nach Kultur Ausschau zu halten

Cirk La Putyka - Black Black WoodsG. Gnaudschun, Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.

Bild: Cirk La Putyka - Black Black WoodsG. Gnaudschun, Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.

Wer im ersten Moment mit der "Liebreizenden aus Cottbus" nicht viel anzufangen weiß, der kann sich Anfang November aufklären lassen.

Alljährlich findet in Cottbus im Herbst das Festival of Easteuropean Cinema statt, vergeben wird die bunte Glastrophäe Lubina - die Liebreizende - in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin und Bester Hauptdarsteller.

Zugeben in Berlin mangelt es nicht an cineastischen Veranstaltungen, doch hat sich das Filmfestival Cottbus mit seinem Schwerpunkt auf den osteuropäischen Film bereits international einen Namen gemacht. Und neugierig macht ein Blick in das Programm allemal.

Text Friederike Brundiersin Kooperation mit dem Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.

Staatstheater CottbusFFC Goethe, Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.

Verbunden werden sollte ein Ausflug nach Cottbus unbedingt mit einem Besuch im Branitzer Park, auch wenn es seinen Gestalter Hermann von Pückler-Muskau nicht nach Osteuropa, sondern mehr nach Ägypten zog, was sich eindrücklich in den Pyramiden im Park versinnbildlicht.

Grabstätte vor Seepyramide© Buendia22, Wikipedia, CC BY-SA 4.0

Hermann von Pückler-MuskauGartenkünstler
(1785 - 1822)

Wie ein getriebener bereiste er die Welt, und entdeckte auf einer seiner Reisen nach England den englischen Landschaftsgarten für sich. Wieder in heimatlichen Gefilden begann er sein Land in Bad Muskau, seinen Vorstellungen anzupassen. 800.000 Bäume und 42.000 Sträucher wurden gepflanzt, die Neiße umgeleitet und sogar ein ganzes Dorf umgesiedelt. Seine Leidenschaft allerdings brachte ihn in Geldnöte.

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Ohne KonventionenTheaterfestival UNIDRAM

Auch einem anderen Festival bekommt es gut, ein wenig Abstand zur großen Bühne Berlin zu haben, denn genau das wird auf dem internationalem Theaterfestival in Potsdam UNIDRAM zelebriert: Unabhängigkeit. Und so ist es ebendiese gewonnene Freiheit, die es den Künstlern erlaubt, neue Wege zu beschreiten und sich von den vorherrschenden Konventionen, und den beherrschenden Protagonisten zu befreien. Dieses Jahr findet das Festival zum 25. Mal statt, Grund genug für ein fulminantes Programm mit viel Tanz, Performance, Ausstellungen, Musik und Partys. Und wer es ganz alternativ mag, der kann mit seinem eigenen Boot anreisen. Die Schiffbauergasse verfügt über eine Anlegestelle für Wasserwanderer, bloß nicht von den Yachten die Sicht verderben lassen, auch hier gilt, unabhängig bleiben.

WHS Kalle Nio Cutting EdgeG. Gnaudschun, Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.

Inszenierte WirklichkeitenKleist-Festtage in Frankfurt(Oder)

Einer der ebenfalls eigene Wege beschritt, war der Schriftsteller Heinrich von Kleist. Was ihm zeitlebens nicht vergönnt war, der Erfolg und die Anerkennung seines Schaffens, wird ihm posthum nun doch zuteil. Davon zeugen die Kleist-Festtage in Frankfurt(Oder).

Der Förderpreis soll jungen Dramatikern vorübergehend wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern, eben das, was Kleist nicht vergönnt war, und ist mit 7.500 Euro dotiert. Darüber hinaus garantiert er die Uraufführung des prämierten Theaterstückes. Im Rahmen des Festivals finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt, von der Wasserglaslesung über eine Wrestling-Show bis hin zum Poetry Slam und Dokumentartheater. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle unter dem Motto "Inszenierte Wirklichkeiten" stehen.

Das Kleisthaus in Frankfurt(Oder)Kleistmuseum Frankfurt(Oder)

Heinrich von KleistDramatiker
(1777 - 1811)

Was dem Dichter und Menschen Heinrich von Kleist geschah ist tragisch. Anfang des 19. Jahrhunderts schien kein Platz für einen Querdenker wie Kleist gewesen zu sein, weder im kulturellen Leben, noch im bürgerlichen. Auch er selbst fühlte sich wohl nirgends zugehörig, war er doch immer wieder hin- und her gerissen zwischen einer klassischen Militärlaufbahn und einer Ausbildung des Geistes.

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Kreidezeichnung Heinrich von Kleists (1777-1811) nach verschollenem Miniaturbild von seiner Braut Wilhelmine von Zenge© Wikipedia, Gemeinfrei

Heinrich von KleistDie mittellosen Jahre und Freitod

Was dem Dichter und Menschen Heinrich von Kleist geschah ist tragisch. Anfang des 19. Jahrhunderts schien kein Platz für einen Querdenker wie Kleist gewesen zu sein, weder im kulturellen Leben, noch im bürgerlichen. Auch er selbst fühlte sich wohl nirgends zugehörig, war er doch immer wieder hin- und her gerissen zwischen einer klassischen Militärlaufbahn und einer Ausbildung des Geistes. Schlussendlich entschied er sich, seiner Leidenschaft für das Schreiben nachzugeben.

Doch gebeutelt von Schaffens- und Lebenskrisen, musste er immer wieder seinen Lebensunterhalt durch Anstellungen im Staatsdienst finanzieren. Die Gründung einer Zeitung schien eine Lösung zu sein, ökonomisch unabhängiger konnte er eigene und fremde Texte veröffentlichen. Die Zeitung war erfolgversprechend, bis sie durch verschärfte Zensurbestimmungen verboten wurde. Und kurz darauf brachte ihn der preußische König Friedrich Wilhelm III. um einen weiteren monetären Verdienst und die Möglichkeit öffentliche Aufmerksamkeit für sein Schaffen zu erhalten. Er verbot die Aufführung des Stückes ?Der Prinz von Homburg?. Auch eine Rückkehr in den Staatsdienst wurde Kleist verwehrt, ebenso wie die Bewilligung eines Kredits. Am 21. November 1811 erschoss Kleist, wie mit ihr abgesprochen, zuerst die todkranke Henriette Vogel und dann sich selbst. Welche genauen Beweggründe ihn zu so einem schrecklichen Schritt brachten, wird nie zu klären sein, dass ökonomische Zwänge und das Fehlen von Anerkennung sein Leben mitbestimmten, steht außer Frage.

Der Kleistpreis wurde 1911 ins Leben gerufen, um junge Schriftsteller vor der Not zu bewahren, in die Kleist geraten ist. Preisträger waren u.a. Bertolt Brecht, Robert Musil, Anna Seghers oder Else Lasker-Schüler. Im Jahre 1933 löste sich die Kleist-Stiftung auf, um nicht von den Nazis für ihre Zwecke mißbraucht zu werden. 1985 wurde der Preis wieder ins Leben gerufen und soll auch zukünftig jungen Literaten mit der Uraufführung ihres Stückes eine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit garantieren und ihnen finanziell unter die Arme greifen.

Hermann von Pückler-Muskau (1785 - 1871), kolorierte Bleistiftzeichnung, 1840Moritz Michael Daffinger, Wikipedia, Gemeinfrei

Fürst von Pückler MuskauEine der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts

Wie ein getriebener bereiste er die Welt, und entdeckte auf einer seiner Reisen nach England den englischen Landschaftsgarten für sich. Wieder in heimatlichen Gefilden begann er sein Land in Bad Muskau, seinen Vorstellungen anzupassen. 800.000 Bäume und 42.000 Sträucher wurden gepflanzt, die Neiße umgeleitet und sogar ein ganzes Dorf umgesiedelt. Seine Leidenschaft allerdings brachte ihn in Geldnöte.

Das Vermögen seiner Gattin war bereits nach kurzer Zeit verpflanzt und so willigte sie ein, sich von ihm scheiden zu lassen, damit er in England nach einer neuen reichen Damen suchen konnte, einer potentiellen Ehefrau, welche die Umsetzung seiner Pläne finanzieren würde. Er suchte viele Monate lang und fand sie nicht, so kehrte er zurück. Allerdings nicht mit leeren Händen, sondern mit etlichen Reiseberichten.

Auch wenn er sein Anwesen in Muskau verkaufen musste, gab er seine Pläne nicht auf und begann in Branitz von vorn. Die Veröffentlichungen seiner Reiseberichte war so erfolgreich, dass der Erlös aus den Buchverkäufen fortan Großteile seines Lebensunterhalts und seiner Leidenschaft finanzierte. Und der Fürst hatte viel zu erzählen von seinen Reisen nach Afrika oder nach Griechenland. Die Geschichten osteuropäischer Filmschaffender hätten ihn mit Sicherheit ebenfalls begeistert. Ein extravagantes Leben verlangt nach einem extravaganten Abgang, so fand der Fürst seine letzte Ruhestätte in einer von ihm eigens dafür geschaffenen Pyramide im Branitzer Park, nur vier Kilometer von den Spielstätten des Festivals entfernt.

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